17.07.2012

Für Mundanomaniac

Du, unbekannter Kerl,
manisch Liebender, Du,
Buchhalter der Schwingung,
der Wendung – von weit,
von breit holst Du dir
die kleinsten Kreise:
scharf zusammen gezogene
Sprachlosigkeit, präzise
Markierungen in Raum
und Zeit. Wie weit, wie breit
ist deine Freiheit? Wo,
hinter den Worten, warten
die Götter auf dich? Wo
steht der große Tisch, vier-
dimensional, mit Flächen,
die recht krumm lachen?
Hört in den kleinen Kreisen
die wilde Bewegung auf?
Führen sie wie Löcher
ins Innere der Erde, dorthin,
wo Tubal Kain schmiedet,
das Eisen ins Feuer legt, es mit
Hammerschlägen zwingt
ein heiliges Schwert zu sein?
Du, dein Wollen ist sprachlos,
wie meines auch, wir wissen
nicht was wir tun, und wir tun,
was wir wissen wollen. Saturn
zieht uns an aus der Ferne,
der Mond flüstert hautnah,
und die Erde, sie wartet,
wartet dunkel und warm
auf dich, auf mich, auf uns,
auf das Werk der Entzündung.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Was ist das für ein Moment auf dem neuen Bild: ein Kreuz und drei leere Stühle. Christus, der Richter, und die Angeklagten: sind sie schon gegangen - oder kommen sie noch?
Worum geht es?
Was ist passiert?
Wer wird gerichtet?
Warum wird gerichtet?
Wie ist der Richtspruch ausgefallen?
Und was bedeutet das alles?
Der Richtplatz sieht traurig, verlassen und trostlos aus - ein Bild der menschlichen Seele?

Ich brauche eine Geschichte.

mundanomaniac hat gesagt…

Ja, Mond flüstert hautnah.

Wie weit ist meine Freiheit? Grenzenlos, wie breit? 1,20 (x 1,80).

Wo die Götter warten weiß ich nicht, aber wo sie wandern und zwar vor den Worten, das melde ich.

Der große Tisch, steht er in meinem und Deinem Herzen, zum Gastmal hier auf der Erde?

Hört in den kleinen Kreisen die Bewegung auf? Nein, die kleinen Kreise empfangen die tropfenden Frachten aus den größeren Kreisen.

Wohin ...in die "Erde"? Ja, in unsere Erde,ja, zu dem Schmied, der die Gottesfunken schlägt aus den Gefühlen in der Seele.

Jelle, du holländischer Kaaskopp und Menschenflüsterer,
schön, Dich zu haben in der
deutschen Sprache.

Anonym hat gesagt…

Ein Friedhof, bei dem man beisammen sitzt und miteinander spricht.
Dazu laden die Stühle ein. Zwei sind im Namen des Dritten beisammen.
Man srpicht, sinnt, meditiert, singt, tanzt, weint, lacht,.. einfach so.
Und die Gestorbenen und noch Kommenden hören zu, sind dabei, man merkt wie sie uns wahrnehmen. Leise weht ein Wind über den kahlen Berg, wie eine frische Brise oberhalb der Städte.
Auch dieser Berg will geliebt werden. Blumen, weit getragen, Wasser in Gefäßen, stehen auf den Gräbern, in der Hoffnung das wir uns untereinander wahrnehmen, nicht verlieren.
Doch noch irgendwie erleben, berühren.
Jeder, der auf einem der Stühle saß, ist weit gegangen, hat für eine Zeitlang alles liegen gelassen, um ganz Ohr zu sein, um ganz zu sehen was da ist und kommt.

So lausche ich diesem Bild, vielleicht aber erzählt es etwas ganz anderes..
b.b.

Jelle van der Meulen hat gesagt…

Die Geschichte des Bildes sagt eigentlich nicht viel aus. Vor etwa sechs Jahren hatte ich ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Pamplona Alta, ein Armenviertel in Lima, Peru. (Die Inhalt des Gespräches ist zu lesen in meinem Buch "Armut als Schicksal"). Es war morgens früh, es gab dichte Nebel, die Bewohner des Viertels hatten auf dem Friedhof drei Stühle für das Gespräch bereit gestellt. Als wir fertig waren und der Nebel verschwunden war,sahen wir staunend die Kreuze. Erst dann haben wir das Bild gemacht...

Anonym hat gesagt…

Schön dieses Gespräch zwischen wilden und zartfühlenden Männern.
Grüsse Andrea

Sophie Pannitschka hat gesagt…

Vom Schicksalsberg. Ein Kreuz und drei Stühle

Etwas abseits der Stadt erhebt sich die kahle Anhöhe, die errichtet worden war, als die Menschen drohten einander nicht mehr wirklich wahrzunehmen. Im Zeitalter der Postmoderne...

weiter lesen kann man den Text zu dem Bild unter: www.sophiepannitschka.blogspot.com

Anonym hat gesagt…

Lieber Jelle,

faszinierend, dieses Bild, und irgendwie scheint das Bild deine Worte, deinen Text zu übertönen, mir geht es da auch nicht anders, das ist halt die Faszination des ersten Males (und solche Bilder sind fesselnd) und man braucht schon mächtige Wörter um mit diesen ersten Bilder zu konkurieren....
P.S. mir gefällt der Text, aber das Bild fesselt mich mehr...tolles Bild

Gruß

Ralf