16.09.2012

Das Gespenst des Geldes braucht einen Eigennamen


Weitaus die meisten finanziellen Transaktionen, die weltweit jeden Tag stattfinden, beziehen sich nicht auf Produkte oder Leistungen, sondern auf Geld. Es geht dabei ums Zocken, Pokern, auch Spekulieren genannt, wobei positive oder negative Prognosen (Erwartungen, Hoffnungen) eine entscheidende Rolle spielen. Die Vermehrung des Geldes ist somit weitgehend im Geld selber begründet und kann nicht auf (Handlungen von) Menschen zurückgeführt werden.


Das Geld hat eine eigenständige Bedeutung gekriegt, ist nicht mehr nur noch Vermittler, sondern selbst Akteur geworden, vergleichbar mit dem Wetter. Was einmal eine Erscheinung kultureller Art war, eine menschliche Schöpfung also, ist ein Gespenst geworden, das wie der Golem im sozialen Leben herum geistert und eigenwillig handelt.

Das Geld-als-Gespenst ist der Elefant im Raum, der zurzeit von allen Erdenbürgern gespürt, trotzdem aber gar nicht (oder kaum) benannt und schon gar nicht erkannt wird. Es ist bemerkenswert, dass dieses Gespenst es schafft in allen Debatten über die Finanzkrise fast unsichtbar zu bleiben – seine Tarnkappe besteht aus den Ängsten der Bürger und funktioniert einwandfrei. Und so ist es auch: Die Gründe von Ängsten, belässt man lieber im Dunkeln.

Das Geld ist dem Geld überlassen. Aus esoterischer Sicht bedeutet dies, dass ein geistiges Vakuum entstanden ist – und weil es in der geistigen Welt so etwas wie „leere Orte“ nicht geben kann, ziehen Wesenheiten in dieses Vakuum ein und spekulieren mit den Ängsten der Menschen. Gespenster sind manchmal mächtige Hoheiten, die allerdings wohl eine Schwäche haben: Sie sind von den unbewussten Gefühlen der Menschen abhängig.

Das Gespenst hat ein Gesicht, das sich nicht fotografieren lässt, eine Stimme, die sich nicht auf Band aufnehmen lässt. Sein Wesen ist nicht lokalisierbar, befindet sich nicht in Manhattan, London, Frankfurt oder Tokio, ist aber rund um die Uhr weltweit aktiv und wird höchstens von ein paar vagen Begriffen angedeutet wie „Globalisierung“, „Kapitalismus“ oder „Gier“. Institutionen, die mit dem Schicksal der unsichtbaren und ungreifbaren Hoheit verbunden sind, werden „systemrelevant“ genannt.

Könnten wir dem Gespenst einen Eigennamen geben? Ein Gesicht? Oder eben eine Biographie? Vielleicht könnte es zu einem Gespräch eingeladen werden, es müsste doch etwas zu erzählen haben? Irgendwie könnte es doch sein, dass in diesem Gespenst eine Not lebt, die es dazu getrieben hat, sich in ein verlassenes Loch hinein zu begeben... Was „wirret“ dem Gespenst?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das Gespenst des Geldes braucht einen Eigennamen:

Ist nicht sehr vieles bekannt, über Name, Leib, Gesicht(er) und Biografie des Gespenstes? Es wirkt in einem "Orden" und ist zu keinerlei Gespräch bereit.

Ausführliche Informtionen dazu am Mittwoch, 19. September um 10:25 Uhr und 27. September um 02:50 Uhr auf ARTE.
http://www.atase.de/blog/netzwelt/verstehen-netzwelt/film-goldman-sachs/

Welcher Mangel steht hinter der Not, Macht und Manipulation zu lieben? - zu herrschen und zu beherrschen?

C.H.

Anonym hat gesagt…

Das Geld ist gerade dabei, sich selbst abzuschaffen. Bald gibt es nur noch geldlosen "Geldverkehr". Jeder Mensch wird dann auf einer Skala konsumtiver Potenz eingestuft und hat entsprechende Zugriffsrechte auf Waren und Dienstleistungen. Die klügsten Artisten eines völlig abstrakt gewordenen globalen Zahlenspiels können sich nehmen, was sie wollen. Wer dieses Geist und Gemüt vergifetende Spiel nicht mittspielen will oder kann, muss sich mit bescheidenen Lebensverhältnissen abfinden. Das ist ein bereits sehr reales Szenario. Die Spielverweigerer werden sich fragen müssen: Wie wollen, können wir leben mit dem Wenigen, das uns bleibt? Es gilt, eine "Kultur des Wenigen" zu begründen. Und ein Ethos des Lebens mit wenig zu entwickeln. Durchaus auch einen Stolz. Denn DIESE Kultur wird überdauern. Das Kartenhaus der Mitspieler bricht in Saus und Braus zusammen. (Hoffentlich nicht durch Kriege!)
Kaktus
PS.: Ich habe selbst noch viel an mir zu arbeiten, um diesen meinen hehren Worten halbwegs zu entsprechen, wenngleich ich nie zu den virtuosen Akteuren des Spiels gehörte.