17.12.2012

Kindergärten als Orte des Widerstands. Vertrauen ist prinzipiell subversiv

In einem sehr schönen Kommentar schrieb „b. b.“ letzte Woche über „das Wunder des Erwachens des kleinen Kindes an sich selbst“. Im Kommentar wird von einer „feinen Arbeit“ gesprochen, „die jeden Tag neu zu beginnen ist“. Vermutlich arbeitet „b. b.“ in einem Kindergarten, denn sie oder er stellt die Frage: „In welcher Art und Weise müsste ein Kindergarten sich gestalten im Übergang zur Schule, ohne dieses Wunder zu zerdrücken?“

Wer sich in Kindergärten ein bisschen auskennt, weiß, wie dringend diese Frage ist. Mit der Schule fängt der Leistungsdruck an, mit dem Leistungsdruck beginnt der Umstand, dass die Ansprüche-von-außen das freie Erwachen an und zu sich selbst in den Hintergrund rückt. Das Leben mit „Vorschulkindern“ (eine Kategorie die gesellschaftlich definiert ist) ist in Kindergärten manchmal ein Abenteuer. Die Schatten der Schule reichen bereits bis in Kindergärten.

Amares ist ein „Ort für Kinder“ auf einem ehemaligen Betriebshof der Stadt Köln. Der Ort liegt im Stadtwald, umfasst ein spannendes Gelände, eine Reihe alter Garagen (die als Werkstätten umgebaut wurden), hat ein Team von Erzieherinnen und Erziehern, die vor Ort ebenfalls tätig sind: zum Beispiel als Künstlerin, Schmied, Unternehmerin oder Tanztherapeutin. Bei Amares gibt es im Moment zwei Kindergartengruppen: eine für Kinder unter drei und eine für Kinder über drei.

Aus der Gruppe der „Großen“ ist vor kurzem ein Verein mit dem wunderbaren Namen „Schleifenverein“ hervorgegangen. In diesem Verein gibt es zwölf „Vorschulkinder“, die sich im Sommer von Amares verabschieden werden, um in die Schule zu gehen. Bekanntlich wird von Vorschulkindern erwartet, dass sie im Stande sind, die eigenen Schuhschleifen zu binden, deswegen der Name „Schleifenverein“.

Um in einem Kindergarten mit dem Übergang in die Schule umgehen zu können, wird Humor dringend gebraucht. Der Ernst der Lage sollte besser nicht dadurch noch schwerer und schwieriger gemacht werden, dass die Erwachsenen sich auf einen Krampf einlassen. Die Kinder reagieren erstmals gar nicht auf die „Objektivität der Ansprüche“, sondern auf die Art und Weise wie die Erwachsenen damit offenbar umgehen. Die Leichtigkeit des Humors, auch wenn er einen Tick Ironie mitbringt, wirkt wie ein Frühlingstag: Die Schatten sehen nicht mehr so schlimm aus.

Humor wird aus Weisheit geboren. Aber mit einer gewissen Leichtigkeit ist es allerdings nicht getan, und die Mitarbeiter von Amares wissen das auch. Wenn wir von einer Kultur des Herzens reden und meinen, dass es (wie in meinem Blog der letzten Woche beschrieben) dabei um die Erkenntnis geht, dass „nicht die Umstände & Vorgänge & Prozesse die Hauptsachen des Lebens ausmachen, sondern die Art und Weise wie wir uns als Ich zu ihnen verhalten“, stehen noch ein paar weitere Fragen an.

Ich möchte einen Aspekt beleuchten. Ich bin der Meinung, dass die Pädagogen von heute, wollen sie sich wirklich souverän vom Ich aus zu den Lebensfragen in Kindergärten verhalten, nicht anders können, als prinzipiell „konspirativ“ zu sein. Der Schleifenverein bei Amares ist eine „leichtsinnige“ (schönes Wort!) und „subversive“ Organisation – auch an dieser Stelle mischt sich ein bisschen Ironie hinein – die unausgesprochen im Sinne von Michel Foucault einen „Ort des Widerstands“ darstellt. Kindergärten ohne den Geist des Widerstands sind schlechte Kindergärten.

Die Zuwendung zum Selbst – meinem Selbst und deinem Selbst, zum Selbst des Kindes – verlangt zweierlei. Einerseits gilt es die Umstände & Vorgänge & Prozesse scharf ins Auge zu fassen und zu respektieren. Wir leben nun einmal in einer Gesellschaft, die naiv auf Leistungsdruck setzt. Andererseits brauchen die Kinder eine uneingeschränkte Loyalität von Seiten der beteiligten Erwachsenen, in der Tat eine „konspirative“ Aufmerksamkeit.

Das Selbst des Menschen ist eine delikate Sache. Was „Alma“ & „Bela“ & „Konrad“ & „Svea“ (vier prominente Mitglieder des Schleifenvereins) ausmacht, ist nicht in Worte zu fassen, nicht einmal annähernd zu fixieren. Sicher ist allerdings, dass sie NICHT das perfekte Gegenbild der gesellschaftlichen Ansprüche sind. Das delikate Eigene entfaltet sich in sozialen Räumen des Vertrauens (das trifft nicht nur auf Kinder zu, sondern auch auf Erwachsene). Und ist Vertrauen nicht prinzipiell subversiv?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ja, das ist es.
Um konspirativ weiter im Kndergarten zu arbeiten, braucht es Kinder die sich im Vertrauensraum wohlfühlen dürfen. Das erscheint manchmal sehr schwierig. Kinder können deutliche Gegenwehr zum naiv gestellten Leistungsdruck zeigen. Das wird schnell in ein Fehlverhalten hinein gedeutet. Da gibt es für sie manchmal kein" Entkommen" mehr. Schon hier wird solches Verhalten auf Papier in Schubladen erfasst, festgehalten..
Geht man aber einfach anders heran, ja auch Humor ist sehr heilend dabei, frei fühlend, frei werdend, schon im eigenen Innern zuerst. Dann, nur dann ergeben sich neue Möglichkeiten in der Kindergartenarbeit, neue Gestaltungsräume...Und die Kinder zeigen sich neu.
Vertrauensräume eröffnen, "schuldfrei" , ich meine ohne Stempel leben zu dürfen, einen Weg, lassen dich und mich die Welt gestalten.

Amares, Gruß an Amares und die Schleifenwerkstatt,
herzlich, b.b.

Anonym hat gesagt…

tiefer noch
wiegt
vertrauen.
wie nur
wird es sein
jemals
wieder.
trauer
mal.
nichts
zählt
vertrauen
nur
allein.

Susanne Sturm 17.3.2012

Anonym hat gesagt…

Das Verbot der Kinderarbeit wurde eingeführt, weil der Kaiser zu wenig gerade Rekruten für seine Armee gefunden hat. Auch das die Kinder Jahrgangsweise eingeschult werden, wurde für das Militär eingeführt, damit sie jahrgangsweise eingezogen werden konnten. Das Schwimmenlernen wurde durchgeführt, damit die Rekruten das können. Heute lernen die Kinder für die Wirtschaft, früher für das Militär. Wenn beides nicht? Was hätte die Schule dann für einen Sinn?
Die Wehrpflicht ist abgeschaft, die Wirtschaft bestimmt die Schule. Würde die Wirtschafts-, Arbeitspflicht abgeschaft, wozu dann Schulpflicht?
Herzliche Grüße, Antje

Anonym hat gesagt…

"der walfafisch oder das überwasser

das wasser rinnt, das wasser spinnt,
bis es die ganze welt gewinnt.
das dorf ersäuft,
die eule läuft,
und auf der eiche sitzt ein kind.

dem kind sind schon die beinchen naß,
es ruft: das wass, das wass, das wass!
der walfisch weint
und sagt, mir scheint,
es regnet ohne unterlaß.

das wasser rann mit zasch und zisch,
die erde ward zum wassertisch.
und kind und eul’,
o greul, o greul –
sie frissifraß der walfafisch."

(christian morgenstern)

kindergärtnern ist...
...arche bauen gegen die überflutung aus der "plan"wirtschaft,
...perseus einladen, der den walfisch besiegt und um in seinem glänzenden schild die gorgone dokumentation ansehen zu können, ohne zu erstarren,
...wahre worte wählen: kindergartenzeit ist ein (doppeldeutiger) gang im wahrsten sinne menschlicher fortbewegung, aber kein übergehen, kein übergang...

schleifenwerkstatt ist ein wahrwort!

grüsse,

roswitha

Anonym hat gesagt…

noch´n gedicht:

"...
nein, schlaft nicht, während die ordner der welt geschäftig sind!
seid mißtrauisch gegen ihre macht, die sie vorgeben für
euch erwerben zu müssen.
wacht darüber, daß eure herzen nicht leer sind, wenn mit
der leere eurer herzen gerechnet wird!
tut das unnütze, singt die lieder, die man aus eurem mund nicht erwartet!
seid unbequem, seid sand, nicht das öl im getriebe der welt!"

günter eich


roswitha

Anonym hat gesagt…

was liebe ich eigentlich an diesem beruf im kindergarten ein menschenbegleiter zu sein?
hier ist wieder das Unsichtbare, das noch nicht erschienene, das: ist es noch da wenn ich mich umdrehe?
welchen raum bauen kinder und ich auf?
und darin fühlen wir uns wohl.
darin wachsen die kinder wie kleine "hefebrötchen". sie gewinnen zutrauen zu sich und den anderen, mut, freude, geduld, toleranz , schmieden gemeinsam pläne, die sofort umgesetzt werden, sind ausdauernd, arbeiten hand in hand. lernen auseinandersetzungen zu haben und sich anzuerkennen, so wie sie sind. sind in sorge wenn einer nicht gerecht behandelt wird... das läßt sich so fort führen.
dieses tägliche wunder mit erleben zu dürfen ist ein geschenk von größe.
da sind menschen "im kommen", die werden, die werden wollen, die suchen, irren, finden, schreiten, rennen, stehen staunend da...
es ist da soviel unsichtbares, soviel das man auch spürt und erlebt, wenn man sich umdreht. es ist da.
mehr noch ,die kinder nehmen unsere gedanken, die unsichtbaren, war.
hier ist ein schöfungsmoment, wie eine wegkreuzung, an der man doch genau weiß wo es entlang geht. jedoch nur für den nächsten moment, im vertrauen, wie im schöpferischen, künslerischen prozess entsteht etwas vielleicht unvorhergesehenes, vorher noch unsichtbares, kann unmittelbar da sein. ist das subversiv?
es ist überraschend, kann auch bestätigend sein, auf jeden fall etwas gewagtes das frischen wind und mut bringt.

herzlich. b.b.

Anonym hat gesagt…

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Anonym hat gesagt…

jelle, das war von mir. und das war, wie hier zu lesen im märz 2012.
....?
herzlich b.b.

Anonym hat gesagt…

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Anonym hat gesagt…

Wäre in unserer "naiven" Leistungsgesellschaft bekannt, welche Kompetenzen wirklich wichtig sein werden in den kommenden Umbruchzeiten; könnten die Bildungsplaner aus spiritueller Erkenntnis erfassen, was nötig sein wird in der Zukunft, um den zivilisatorischen Kollaps abzuwenden, sie würden ein Gesetz des Inhaltes erlassen, dass alles, was die Kinder davon abhält, nach Herzenslust zu spielen, als schwerer pädagogischer Regelverstoß zu ahnden wäre. Vor allem im Kleinkindalter. Eine tatsächlich WEISE Führung würde die Gültigkeit des Erlasses bis zum 10., 11. Lebenjahr festsetzen. Nicht trotz, sondern WEGEN der Herausforderungen der Globalisierung. - Wir leben, zum Glück, in einer, wenn auch noch sehr verbesserungsbedürftigen, Demokratie. Also muss irgendwie ein Bewusstsein dafür geschaffen werden in der Breite, dass die ganze Post-PISA-Reform Marschrichtung verheerend falsch ist. Bis dahin: Ja, subversive Inseln schaffen. Dazu aber gehört Mut. Sonst fassen wir ZU scharf ins Auge, was die widrigen Verhältnisse angeblich so alles fordern ... und sind, schwups, ein Teil von ihnen.
Kaktus











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