20.06.2014

Ein neuer Anfang. Saturn in der Biographie

Im Lebenslauf melden sich ab dem 56. Lebensjahr immer stärker die Kräfte, die von dem Planeten Saturn ausgehen. Sie durchziehen unterschwellig die Untergründe der Seele und machen sich als tragende und entzündende Wärme bemerkbar. Diese Kräfte sind darauf angewiesen vom Bewusstsein her wahrgenommen zu werden; obwohl sie mächtig sind, drängen sie sich nicht auf, sie treten erst dann in den Vordergrund, wenn sie dazu eingeladen werden.

Mit der Wirkung des Saturn im Inneren des Menschen gehen drei Phänomene einher. Das Erste bezieht sich auf eine Verstärkung des Erlebens der Spannung zwischen Zeit und Ewigkeit. Die Ereignisse im Leben, die sich ja im Verlauf der Zeit ereignen, immer im Hier und Jetzt also, werden in ein Gespür der Ewigkeit eingebettet. Was klein und schmal erscheint – ich arbeite in meinem Garten, in diesem EINEN, MEINEM Garten – zeigt sich in der Sphäre des Saturn als groß und breit. Es ist, als ob ALLE Gärten, die es gibt oder je gab, in meinem Empfinden irgendwie leise mitschwingen. „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“, schrieb Goethe dazu im Faust. Dieses Erleben wird von einer süß-bitteren Melancholie gefärbt.

Das zweite Phänomen hat damit zu tun, dass die Wärme des Saturn sich zwar als Grund des Lebens zeigt, sich allerdings nicht mit Füßen betreten lässt. Für das übliche Denken scheint sie eher ein Abgrund zu sein, eine maßlose Tiefe und Breite, die uns ungeheuerlich umschlingt. Um die Wärme tatsächlich als tragend erfahren zu können, muss man lernen, sich schwebend in die Wärme hinein zu begeben, nicht mit den Füssen also, sondern mit den Flügeln an unseren ätherischen Schultern. Das Schweben ist die große Fähigkeit des Älterwerdens, es ist die bewusste Umkehrung des unbewussten Daseins des kleinen Kindes, (das sich ja selbstverständlich tragen lässt).

Das dritte Phänomen ist am schwierigsten zu beschreiben. Es hängt mit einer subtilen Empfindung zusammen, die besagt, dass alles was wir denken, fühlen und tun nicht nur Wirkung einer Ursache, sondern auch Ursache einer Wirkung ist. Oder anders gesagt: In all unseren geistigen, seelischen und physischen Taten liegt eine „Entzündung“ verborgen, wir sind tatsächlich in jeder Sekunde dabei, die Welt neu zu gestalten, auch wenn wir es nicht merken. Oder noch wieder anders gesagt: In der Sphäre des Saturn erscheinen wir als „Götter“, die Welt geht ständig aus UNS hervor.

Saturn macht keinen Unterschied zwischen kleinen und großen Ereignissen. Saturn ist so groß, er räumt für alles einen großzügigen Platz ein. Die schöne Aufgabe der älteren Menschen liegt darin, quasi schweigend auf die Dinge des Lebens zu schauen und ihnen einen Platz zu geben, die kleinen Sachen des Lebens also groß zu machen, einfach dadurch, dass sie den Sachen die Aufmerksamkeit schenken, die sie brauchen, um überhaupt als Ereignis anerkannt zu werden. Und nein, niemand braucht damit zu warten, bis sie oder er 56 Jahre alt geworden ist. Saturn ist immer und überall da.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

>
> Schön finde ich es, wieder was zu Lesen von dir,
> Ja das Erleben mit dem im Gartenarbeiten kenne ich sehr gut und lange.
> Heute habe ich mich das erste Mal in diesem Jahr an meinen grossen
> Marmorstein gewagt und schaue wie es es weiter geht ob ich die Wärme
> als tragend zu lassen kann. Herzliche Grüsse Andrea

Anonym hat gesagt…

Wieder gefunden!!!
Ist das schön, so ein kleiner blog und soooooo groß im irgrndwo!

Klein ist mein jüngster Enkel, wie er geht, Schritt für Schritt, kleine Schritte mit denen er in die Welt geht.Seine ersten Schritte, mit einem unglaublichen Leuchten der Freude in den Augen, dann kann er die Arme heben und mir in die Arme laufen.
Klein ist er und groß.

Amares, vielleicht gelingt auch hier ein kleines Amares. Es gibt eine kleine, warme,kommende Bewgung dazu.

Herzlich, b.b.

Anonym hat gesagt…

Wieder da! Welch eine Freude. Deine Worte haben mir gefehlt.
Beste Wünsche!!!
Miva

Anonym hat gesagt…

Nun habe ich das kleine Amares gefunden!
Eigentlich ganz einfach: es ist irgendwie in mir drin und jeder der ein Amares sucht findet es.
Besonderes die Kinder sind gute Finder, aber auch sogenannte erwachsene Menschen finden immer wieder einen Zugang dazu. Erstaunlich ist das es wie ein Kleines Licht ist, das erst nach außen leuchtet wenn jemand es sucht und dann beginnt jedesmal etwas Neues.
Das geschieht mittendrin, auch im dicksten Gewühle und in Hektik, dabei entsteht eine große Freude und Offenheit, nein gerade zu eine Art Hingabe in größter Aufmerksamkeit. Ein Lauschen, ein ganz von sich selber losgelöst in Freiheit.Nicht abgehoben, überheblich, arrogant, besserwisserisch, nein dann ist es leise, still, liebevoll, na einfach Amares!
EinKlang, der weit und lange tönt.

Herzlich, b.b.

Anonym hat gesagt…

Hallo Jelle, hallo allemaal,

het heeft enige tijd geduurd en heel wat tijd gekost om van de Hymnen an die Nacht van Novalis een vertaling te maken, waar ik zelf tevreden mee ben. Een vertaling die zich op de eerste plaats richt op het spreken. Daarnaast op rijm en ritme, klank en kleur en een vertaling die zich er op richt de inhoud op de juiste wijze over te brengen.
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Anonym hat gesagt…

"Das Kleine ist das Große", schrieb ich einmal in einem Manuskript "Leitsätze und Maximen zum Umgang mit 'Problemkindern'".
Diesen Positionswechsel muss man beherrschen, um überhaupt die Welt mit den Augen der Kinder zu sehen. "Nur ein Kind kann ein Kind verstehen." Nun bist du wieder Vater und alt genug, dass Saturnkräfte dir dabei helfen. Als Samuel Beckett in deinem(unserem) Alter war, schrieb er auf seine unnachahmlich lapidare Art: "Wozu die großen Worte. Sie sind nicht groß." Das ist wohl Saturnweisheit. Aus deinen Texten spricht auch immer mehr diese Bescheidenheit. noch was von Beckett: "Anfangen. Scheitern. Aufstehen. Weitermachen. Besser scheitern."
Kaktus